Mußloeffel

Brennholz, oder was?

Das könnte man durchaus annehmen beim Anblick dieser ramponierten Holzkonstruktion, die Gunter Weiß unlängst aus dem Dunkel seiner Scheune hervor holte. Doch wie immer ist es nicht einfach nur ein Stück wertloses Holz, sondern ein Stück mit einer Geschichte, die wir heute kurz erzählen wollen.

Vor etwa 80 Jahren noch gehörte eine solche Konstruktion zur Grundausstattung eines jeden Haushaltes auf dem Land. Sie wurde gut gehütet, denn sie war bei der Zubereitung einer ganz bestimmten Speise, die den Vitaminbedarf über die langen Wintermonate decken half und auch noch gut schmeckte, unerlässlich. Dabei war die Arbeit mit diesem Gerät anstrengend und zeitraubend, denn es war gleich über mehrere Stunden im Dauereinsatz. Der Benutzer musste sich hüten, auch nur eine Minute lang zu träumen oder anderen Dingen nachzugehen, sonst konnte es passieren, dass die Speise schnell ungenießbar wurde und die viele Arbeit vorher umsonst. Anstrengend deshalb, weil es ordentlich Muskelkraft bedurfte und die Arbeit an einem kochenden Kessel verrichtet werden musste. Dabei konnte auch schon mal ein Unfall passieren, denn diese Arbeit war auch nicht ganz ungefährlich. Vor allem musste man sich vor kochendheißen Spritzern in Acht nehmen.

Spannender können wir es nun nicht mehr machen. Haben Sie eine Idee, um was es sich hier handelt und welche Speise damit zubereitet wurde? Ja! Nein? Vielleicht? Des Rätsels Lösung: ein Muß-Löffel. Damit wurde im Spätsommer das frische Pflaumenmus beim Kochen im Kessel ständig umgerührt, damit es nicht am Kesselboden anbrannte und den Geschmack verdarb. Da hieß es rühren, rühren, rühren. Und wehe, man hing mal seinen Gedanken nach und vergaß darüber das Arbeiten. Eins, zwei, drei – und die ganze Chose war angebrannt und wurde bitter. Säckeweise Pflaumen pflücken, waschen, lüften, würzen – alles für die Katz. Und selbst die wollte das Angebrannte dann auch nicht fressen.

Der Rührer, hier mit leicht verkürztem Stiel weil schon von gefräßigen, holzbohrenden Insekten verspeist, landet nun im digitalen Archiv, weil das Original nicht mehr zu retten ist. Da hilft nur ein Foto, Maß nehmen und nachbauen. Die Geschichte dazu aber bleibt.

Am Ende also doch: Brennholz.

Unser Dank geht an Gunter Weiß für den Löffel und die Geschichte dazu!