Kategorie-Archiv: Veranstaltungen

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Auf die Tracht gekommen

Seit 23 Jahren findet im mittelfränkischen Greding jährlich einer der größten Trachtenmärkte Deutschlands statt. Von Stoffen und Borten über Hüte bis hin zu Schuhen und Strümpfen ist dort so gut wie alles zu finden, was das Trachtlerherz höher schlagen lässt. Da werden alte Stricktechniken gezeigt, Handgriffe der Trachtenerneuerung erklärt und fachkundig beraten.

Diese geballte Ansammlung an Wissen über Trachten und deren Herstellung machten sich in diesem Jahr einige Mitglieder des Vereins für Heimatgeschichte Großfahner e.V. zunutze, um mit dem Forschungsprojekt zur Fahnerschen Tracht Fortschritte zu machen. Und tatsächlich konnten uns die Fachkundigen viele Auskünfte und Anregungen geben. So erfuhren wir in Greding einiges über die kulturhistorische Bedeutung der Trachtenhaube, die dem Verein als Leihgabe von Privat zur Verfügung gestellt wurde, leider aber aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr getragen werden kann. Ein Ziel der nächsten Zeit soll es sein, ebendiese Weimarische Haube, die hier in den fahnerschen Kirschendörfern getragen wurde, detailgetreu nachzubilden und zu präsentieren.

Zu einer Haube gehört natürlich auch eine Tracht, die ebenfalls nach historischem Vorbild entstehen soll. Obwohl der Verein für Heimatgeschichte schon einiges über die Fahnersche Tracht in Erfahrung bringen konnte, unter anderem durch die sehr hilfreiche Beratung von Eva Kowalewski vom Thüringer Landestrachtenverband, Hinweisen anderer Vereine, von Privatpersonen sowie Postkartenmotiven aus alter Zeit, stehen uns trotz allem nur wenige Quellen zur Verfügung. Das erschwert die Suche nach Informationen enorm und speziell über die Tracht der Männer in den Fahner-Dörfern ist beinahe nichts bekannt. Weder Bilder noch Beschreibungen liegen uns hierüber vor.

Deshalb nun ein Aufruf an Sie, unsere geschätzten Leserinnen und Leser. Können Sie sich noch erinnern, wie die in Großfahner und Umgebung getragene Tracht ausgesehen hat? Alte Zeichnungen und Fotos von Männer- und Frauentrachten sowie auch Originalstücke wie Blusen, Schürzen, Hosen oder Westen können uns bei unserer Suche sehr weiterhelfen. Für Informationen und Hinweise steht Ihnen unsere Email-Adresse geschichte-grossfahner@web.de zur Verfügung. Mit jeder Unterstützung leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur Kulturlandschaft unserer Gegend. Wir freuen uns über jede auch noch so kleine Hilfe!

 Der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

 

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Tracht lebt!

Ein Rückblick auf das 11. Thüringer Landestrachtenfest vom 26.-28. August 2016 in Neuhaus-Schierschnitz, Landkreis Sonneberg.

„Tracht lebt!“ Mit diesen Worten von Knut Kreuch, dem Vorsitzenden des Thüringer Landestrachtenverbandes, ist das bunte Treiben beim 11. Thüringer Landestrachtenfest am besten zu beschreiben. Neuhaus-Schierschnitz öffnete den Besuchern seine Tore und so wurde an insgesamt drei Tagen thüringisch, aber auch fränkisch getanzt, gesungen und gefeiert. Der Thüringer Landestrachtenverband und der Trachtenverein Schumlach luden dazu in den Landkreis Sonneberg ein. Diesem Ruf folgten am letzten Augustwochenende des Jahres fast 40 Heimat- und Trachtenvereine.

Und obwohl erst ganz frisches Mitglied im Landestrachtenverband und noch nicht in eigener Tracht, dachte der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.: Da müssen wir dabei sein! Ziel sollte sein, mit der Teilnahme am Festumzug Präsenz in dieser noch neuen Gemeinschaft zu zeigen. Um dabei eine gute Figur zu machen, kleidete sich jeder Mitreisende in ein historisches Gewand des Adels oder des Bauernstandes. Und so zogen Freiherr und Freifrau von Seebach mit ihrem Gefolge mitten unter vielen anderen Trachtlern in einem farbenfrohen Zug durch das südthüringische Städtchen.

Natürlich können bei einem solchen Fest so einige Trachten und Tänze bestaunt werden oder man kann sich an Musik, Gesang und Mundart erfreuen, was den Teilnehmern aus Großfahner als Quelle des Ansporns und der Inspiration für das aktuelle Projekt Trachtenforschung, aber auch für die Umsetzung weiterer Vorhaben diente. Ebenso war das Knüpfen neuer Kontakte bzw. freundschaftlicher Bande zu anderen Vereinen und die Pflege bestehender Verbindungen dieser Art Anlass der Teilnahme. Denn gemeinsam funktionieren viele Dinge leichter und auch die Freude an der Sache ist in Gemeinschaft noch einmal größer.

Petrus meinte es gut mit den Organisatoren, Teilnehmern und Besuchern und bescherte dem Landestrachtenfest die wärmsten Tage des Jahres. Den hohen Temperaturen und der stetig scheinenden Sonne geschuldet, verbrachten viele Einheimische und auch einige Trachtler die Zeit zwischen den Veranstaltungen im kühlenden Nass des örtlichen Freibades. Entsprechend säumten nicht so viele Zuschauer wie vielleicht wünschenswert, dennoch aber recht viele die Straßen entlang der Umzugsstrecke oder sahen sich die verschiedenen Auftritte einzelner Gruppen an.

Ungeachtet dessen gilt der Dank an dieser Stelle allen Organisatoren und Helfern, die mit großer Mühe und viel Herzblut das Fest gestalteten und es zu einem Ereignis machten, das in guter Erinnerung bleiben wird. Für den Verein für Heimatgeschichte Großfahner war es ein gelungener Einstieg in diese lebendige Szene mit vielen netten Begegnungen, neuen Ideen und schönen Erinnerungen.

Jenny Schmidt für den Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

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Vereinsexkursion ins Unstrut-Tal

Am 26. Juni 2016, das ist nun schon ein Weilchen her, führte unser Verein seit langer Zeit einmal wieder eine Vereinsexkursion durch. Unser Ziel war zunächst der Fundort der Himmelsscheibe von Nebra im schönen Unstruttal unweit der kleinen Ortschaft Wangen. Bekanntlich durfte die Himmelsscheibe ja nicht „Scheibe von Wangen“ heißen, da es derer Orstbezeichungen zu viele gibt und mancher geschichtsinteressierte Besucher dann wohl dank des blinden Vertrauens in die moderne Technik (Navi) in Wangen im Allgäu gelandet wäre statt in Sachsen-Anhalt. So hat nun Nebra eine Scheibe und nicht Wangen. Sei’s drum.

An der Arche Nebra, dem modernen Ausstellungsgebäude am Fuße des Mittelberges, wurden wir von Dietmar Luther begrüßt, der uns in den nächsten 30 Minuten viel Wissenswertes und Spannendes über die Fundgeschichte, die Herstellung und die Bedeutung der Himmelscheibe von Wangen, äh Nebra, gewürzt mit viel trockenem Witz erläuterte und uns langsam die eigentliche Bedeutung dieses für die Menscheitsgeschichte bisher einmaligen Fundes nahebrachte. Nun kann man argwöhnen, dass da ein bisschen zu viel hineininterpretiert wurde, doch die anschließende Planetariumshow im Haus überzeugte auch die letzten Zweifler, dass es hier etwas ganz besonderes zu sehen gibt, obwohl ja die originale Scheibe, weil viel zu wertvoll, im Landesmuseum für Vorgschichte in Halle / Saale ausgestellt ist. Doch zurück in die Arche. Die Show erklärte eindrucksvoll, was es mit den goldenen Punkten und den anderen Symbolen auf der Himmelscheibe auf sich hat, jawohl: Sonne, Mond und Sterne. Und das zu einer Zeit, in der die Menschen in unseren Breiten noch nicht über die Schrift verfügten und Wissen und Erfahrungen nur mündlich weitergegeben wurden. Das führte dann wohl auch dazu, dass die Scheibe irgendwann ihre eigentliche Bedeutung verlor und auf dem Mittelberg zusammen mit anderen wertvollen Gegenständen deponiert wurde, bis sie in unserer Zeit gefunden wurden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Köpfe randvoll angefüllt mit neuem Wissen und neuen Eindrücken, brauchte es jetzt eine kleine Stärkung, die uns im Café „Gräfin Cosel“ neben dem Schloss Burgscheidungen mit herrlichem Ausblick erwartete. Nach dem Mittagessen wartete nämlich Teil 2 der Exkursion auf uns – eine Besichtigung des Schlosses Burgscheidungen. Die ehemalige CDU-Schule gehört heute einem Privatmann, der mit Hochzeiten und barocken Events für den Unterhalt des alten Gemäuers sorgt. Und alt ist es tatsächlich, wobei sich zwei verschiedene Baustile der Renaissance und des Barock mischen und zusammen ein eigentümliches Bild abgeben. Die DDR-CDU sorgte damals für den Erhalt des Schlosses auch unter denkmalpflegerischen Aspekten. Wer weiß, ob es sonst den real existierenden Sozialismus in dieser Form überlebt hätte. Wir erhielten Einblicke in die „privaten“ Gemächer der ehemaligen Besitzer, die Küche und Vorratsräume sowie in die moderneren Repräsentationsräume, die heute für Hochzeiten und andere Feiern genutzt werden. Auch die aufwändigen Instandhaltungs- und Restaurierungsmaßnahmen wurden erläutert. Ein Spaziergang durch den weitläufigen, ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Park konnte dann noch anstellen, wer wollte. Da aber die EM in vollem Gange war und am Abend Deutschland spielte, wurde das Programm später mit Sport fortgesetzt.

Alles in allem war es eine sehr schöne Exkurison mit vielen neuen Eindrücken und neuem Wissen über unsere Vergangenheit. Wir bedanken uns bei unseren Gästeführern und laden Sie ein, es uns einmal nachzutun. Die Reise lohnt sich!

Der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

P.S.: Unser Titelbild zeigt das Motiv der Eintrittskarte der Arche Nebra, ein wenig retuschiert.

Die Thüringer Trachtengruppe Gotha auf der Zitadelle von Namur.

Großfahner und Dachwig auf internationaler Bühne

Die 53. Europeade in Namur, Belgien startete mit einem fulminanten Feuerwerk. Auf den Brücken der Stadt sowie an den Ufern der Flüsse Sambre und Maas trafen sich Einwohner und Gäste, um dieses Lichtschauspiel anzusehen. Gleichzeitig begingen alle zusammen den Auftakt des größten Trachten- und Folklore-Festivals Europas.

Dazu reisten beinahe 4000 Trachtenträger, Tänzer, Sänger, Musiker und Fahnenschwinger aus 25 europäischen Ländern in die wallonische Hauptstadt. Hier feierten Jung und Alt fünf Tage lang gemeinsam ihre so unterschiedlichen Kulturen und Traditionen.

Als „Wander-Festival“ ist jedes Jahr eine andere Stadt Gastgeber dieses Folklore-Spektakels. Im Jahr 2013 machte die Europeade in der Residenzstadt Gotha Halt und zelebrierte dort ein unvergessliches Fest zum 50. Jubiläum. Wegen der so positiven Resonanz zur Gothaer Europeade und weil der nächste Austragungsort Kielce – Gothas Partnerstadt in Polen – sein sollte, setzte sich die Stadt das Ziel, zur 51. Europeade eine Bürgerfahrt dorthin mit Interessierten aus dem ganzen Landkreis zu veranstalten. Organisiert wurde die Reise vom Sonnenklar.TV Reisebüro Gotha und geleitet vom Oberbürgermeister der Stadt Knut Kreuch. Und so machen sich seit 2014 zusätzlich zum Fanfaren- und Showorchester Gotha und einer Delegation des Thüringer Landestrachtenverbandes auch Bürgerinnen und Bürger von Stadt und Landkreis und auch die Tänzer des Wechmarer Heimatvereins auf den Weg zur Europeade.

In diesem Jahr sollte Gotha auch durch eine eigene Trachtentanzgruppe in Namur vertreten werden, um die Stadt auch weiterhin bei der Europeade zu präsentieren. Aus diesem Gedanken heraus wurde dann die Thüringer Trachtengruppe Gotha gebildet. Neben Vertretern des Wechmarer Heimatvereins und der Trachtengruppe der Sieben Täler aus Tambach-Dietharz, waren auch vier Mitglieder des Vereins für Heimatgeschichte Großfahner und des Heimat- und Museumsvereins Dachwig mit dabei. Dank der engagierten Anleitung von Trainerin Natalie Kreuch und der Einsatzbereitschaft aller Tänzer konnten die Gothaer in insgesamt vier Auftritten – auch bei der großen Eröffnungsgala mit Gästen aus aller Welt – und dem Festumzug verschiedenste Thüringer Tänze und Musikstücke sowie regionale Trachten vor einem großen, multikulturellen Publikum zeigen.

Auch alle anderen angereisten Gruppen repräsentierten ihre Regionen durch Gesang, Tanz und Trachten. Vor der Kulisse der Stadt Namur und bei meist wolkenlosem Himmel zeigten sie ihr Können und ihre traditionellen Gewänder. Die Gassen waren stets gesäumt mit den buntesten Trachten, gut gelaunter Musik und jeder Menge sehr gastfreundlicher Besucher. An dieser Stelle sei die organisatorische Meisterleistung erwähnt, mit der die Stadt für Schlafplätze, Versorgung, Sicherheit und die Koordination der Veranstaltungen gesorgt hat. Es ist wieder einmal gekonnt gelungen, Menschen, die nicht dieselbe Sprache sprechen, einander eigentlich Fremde sind, vielleicht nicht einmal etwas mit Folklore zu tun haben, durch Singen, Tanzen und eine einzigartige freundschaftliche Atmosphäre zu vereinen.

Damit wurde ein wichtiger Beitrag zur bunten Kulturlandschaft Europas geleistet und auch die Thüringer Gruppen haben ihren Teil dazu beigetragen. All dies kam dem Geist der Europeade zu Gute. Ziel des Festes ist nämlich, einen friedlichen, respektvollen und harmonischen Umgang mit anderen Nationen, Kulturen und Traditionen zu leben. Einheit durch Unterschiede lautet das Motto der Europeade; Europa soll zusammenstehen. Und das war zu jeder Minute dieses Festivals in den Straßen von Namur spürbar.

Jenny Schmidt für den Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

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Seeräuber, ahoi!

Für Freitag, den 3. Juni lud der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V. zu einem ganz besonderen Themenabend in die Pension „Zum alten Hauptmann“ ein. In einem Lichtbildvortrag mit dem Titel „Fänger & Gefangene – Über das Leben an Bord eines Transport- und Verarbeitungsschiffes (TVS) des Fischkombinates Rostock“ berichtete Brunhild Daniel aus Großfahner sehr anschaulich und gespickt mit vielen witzigen Anekdoten von ihrer Fahrenszeit beim Fischkombinat von 1974 bis 1980. Die Gäste erfuhren vom ihrem Weg zur Hochseefischerei, dem schweren Anfang in der Fischverarbeitung und dem Dienst als Stewardess an Bord eines der beiden größten Fischereischiffe Deutschlands, der ROS 317 „Junge Garde“. Viele Farbfotos, aufgenommen vom Schiffsarzt Dr. Peter Vorndran aus Sonneberg, vermittelten den Gästen einen bemerkenswerten Eindruck vom Leben an Bord, der schweren Arbeit, aber auch von Feierlichkeiten, Freundschaften für’s Leben und eindrucksvollen Naturerlebnissen. Der Schiffskoch Helmut Rudolph aus Großfahner erzählte von seinem „Abenteuer“, einmal versehentlich im Kühlraum des Schiffes eingeschlossen worden zu sein. Um nicht bei minus 27°C zu erfrieren, stapelte er die Frostware einmal komplett um…

Der Vorsitzende des 1. Thüringer Hochseefischer-Stammtisches und ehemalige Offizier, Hans-Georg Weil aus Luisenthal, berichtete anschließend sehr persönlich über die Geschichte der Fischkombinate Rostock und Sassnitz und die besonderen Gegebenheiten, aber auch Probleme in der DDR-Hochseefischerei. Bernd Wenzel aus Meiningen ergänzte mit Berichten und Anekdoten aus seiner Zeit beim Fischkombinat Sassnitz und resümierte, dass es für ihn, und da sprach er für alle anwesenden Seefahrer, die schönste Zeit seines Lebens war. Im Anschluss an die Erzählungen entspann sich eine lebhafte Diskussion und es stellte sich heraus, dass auch ein Schiffskoch der Deutschen Seereederei (DSR) im Publikum saß, der im Nachbarort Dachwig wohnt. Es war ein sehr schöner, gelungener Abend, der kulinarisch mit Fischbrötchen, Wodka mit Räucherspeck und Tee aus dem Samowar keine Wünsche offen ließ.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei den Referenten, die für diesen Abend weiteste Wege in Kauf nahmen, und bei unseren geschätzten Gästen, die ihnen ihre Aufmerksamkeit schenkten. Gern hätten es noch ein paar mehr sein können.

Der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

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Sommertheater 2016 – „Der Kirschgarten“

Das Ensemble des Kinder- und Jugendpfarramtes und der Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt e.V. geht mit dem Stück „Der Kirschgarten“ von Anton Čechov auf Tournee durch Thüringen und Sachsen-Anhalt.

In der heiteren Inszenierung des Regisseurs Stephan Mahn geht es in der Farce in vier Akten um eine Gutsbesitzerin, die ihr Geld zum Fenster hinausgeworfen und Schuldenberge angehäuft hat. Und um einen wunderbaren Kirschgarten, der abgeholzt werden soll, um Ferienhäusern Platz zu machen

Doch was bleibt, wenn der Kirschgarten verkauft wurde? Čechov hat dafür eine Antwort: Das Leben! Das Leben als ein Spiel, bei dem der feste Grund unter den Füßen zu wanken beginnt.

Es geht in Čechovs Stück um die Übergänge der Gesellschaften, in der das Alte geht und die Konturen neuer Welten sichtbar werden.

Es ist ein Endspiel, bei dem der feste Grund unter den Füßen zu wanken beginnt, mit Melancholie und es ist zugleich die still – jubelnde Erwartung.


Spieltermin für Großfahner Pfarrgarten: Mittwoch, 3. August 2016, 20.00 Uhr

PLAKAT: Sommertheater 2016


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150 Jahre Sänger-Chor zu Großfahner 1865 und 90 Jahre Glockenweihe 1925

Eine Nachlese zur Jubiläumsfeier am 1. November 2015 in der Kirche Großfahner

Als die Kirche „Sankt Peter & Paul“ in Großfahner am 1. November 2015 ihre Pforten für die Besucher öffnete, stand ein ganz besonderes Jubiläum ins Haus, besser gesagt sogar ZWEI. Die Gemeinde Großfahner feierte an diesem Tag das 150. Grün­dungs­jubiläum des Sänger-Chores zu Großfahner 1865 und 90 Jahre Glocken­weihe 1925. Mit beiden Jubiläen lagen Freud und Leid der Gemeinde eng bei­ein­ander, denn die Ursache für die Glockenweihe am 1. November 1925 war eine sehr trau­rige. Sie liegt im 1. Weltkrieg begründet. Am 22. Juni 1917, die Material­schlachten im Westen waren in vollem Gang und verschlangen Mensch und Gut, erklangen unsere drei Glocken das letzte Mal zusam­men. Zwei aus dem Dreiklang wurden anschließend abgenommen und für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Doch nicht nur den Glocken erging es so; auch Teile der Orgel und metallene Gegen­stände aus dem Pfarrhaus wurden abgeliefert und zur Herstellung von Waffen ver­wen­det. Der Abtransport ging damals so schnell, dass der damalige Pfarrer Meng nicht ein­mal mehr einen Abschiedsgottesdienst hatte halten können. Acht lange Jahre mussten vergehen, bis die Gemeinde zwei neue Glocken aus der Gießerei Störmer in Erfurt erhielt, die am 29. Oktober 1925 von den Einwohnern und allen Ver­einen feierlich eingeholt und auf den Turm gezogen wurden; die kleinere Heimat­glocke mit einem Gewicht von 217 kg, einem umlaufenden Kirschzweigornament, einem Garben­bün­del und dem Psalmwort „Ich will den Herrn loben alle Zeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein“ und die größere Gedächtnisglocke für die Gefallenen des 1. Weltkrieges aus unserer Gemeinde mit einem Gewicht von 498 kg und einem Gedicht von Georg Merkel:

„Herr Gott, nun segne dem deutschen Land

Seinen gefallenen Heldenstand!

Gib allen freudigen Opfergeist,

der auch im Frieden sich stark erweist.“

Diese Glocken läuten noch heute zu Gottesdiensten und Festen in Freud und Leid. Ein Dreiklang ist es dennoch nicht mehr, denn es sollte ein noch viel verheerenderer Krieg folgen, dem die Glocken wiederum zum Opfer fielen. Diesmal traf es jedoch die große Glocke von 1815 und die Ge­fallenen­glocke von 1925, kaum dass sie 17 Jahre alt war. Nur durch einen glücklichen Umstand blieb die Gefallenenglocke vor dem Einschmelzen verschont und kehrte nach dem 2. Weltkrieg mit einigen Blessuren nach Großfahner zurück, um wieder mit ihrer kleinen Schwester vereint zu werden. Der Platz der großen Glocke indes ist bis heute leer.

Doch versammelte sich die Gemeinde an diesem 1. November 2015 auch in der Kirche, um einem freudigen Ereignis zu gedenken: 150 Jahre Sänger-Chor zu Groß­fahner 1865. Wir wüssten nicht besonders viel über diesen über Jahrzehnte in Großfahner aktiv gewesenen Chor, wenn es die wenigen Protokollbücher und die originale Fahne nicht mehr gäbe. Diese wurden dem Verein für Heimatgeschichte im Jahr 2005 aus privater Hand geschenkt. Lange Zeit fristete vor allem die Fahne ein Schattendasein, da es den Chor schon viele Jahrzehnte nicht mehr gibt. Dass sie heute in neuem Glanz erstrahlt, ist der kompetenten Restauratorin Stefanie Masnick aus Weimar zu verdanken. Sie konservierte die Fahne im Winter 2010/11 akribisch, um sie für zukünftige Generationen zu erhalten. Finanziell unterstützt wurde die aufwändige Maßnahme von der Regionalstiftung der Kreissparkasse Gotha, ohne die wir die Fahne nicht hätten retten können.

Sänger-Chor zu Großfahner 1865 – das war vor allem eines: Pure Lebensfreude! Denn wie das Sprichwort richtig sagt: „Wo gesungen wird, da lass dich nieder. Böse Menschen kennen keine Lieder.“ Und so verwundert es nicht, dass wir in den erhaltenen Büchern nicht nur von Singproben und Sängerfesten, sondern auch von so manchem gediegenen Schmaus mit Bockbraten, Kränzchen mit Kaffee und anschließendem Ball und mehrfachem Kommers, den offiziellen Feiern, lesen können. Wer sich durch das gestochen scharfe Sütterlin „kämpft“, kommt nicht umhin, öfters einmal zu schmunzeln über die Gelage, die nach dem Singen im Wagner’schen Gasthof „Zum Hamster“ oder auf Tagesfahrten stattfanden. Dabei stieg auch schon mal das Auto aus und die Reisegruppe musste den Goth’schen Berg rauflaufen oder Bier und Schnaps flossen bei der Geburt eines Kindes hektoliterweise bis in den frühen Morgen hinein. Louis Bärwolf war ein begnadeter Protokollführer. Er besaß nicht nur eine wunderbare Handschrift sondern er konnte die Ereignisse in den blumigsten Worten niederschreiben. Doch auch im Sänger-Chor war es wie in jedem Verein. Da lesen wir von Unpünktlichkeit zu den wöchent­lichen Proben, unent­schul­digtem Fehlen, welches mit einer Strafe von 50 Pfennig be­legt wurde, und fehlendem Nachwuchs. Dem Dirigenten Kantor Albin Blamberg und Lehrer Richard Lerp war wohl so manches Mal die Hutschnur hochgegangen, doch ein Humpen Bier machte auch die erregtesten Gemüter wieder genügsam und so wurde Woche für Woche, im Sommer weniger, im Winter intensiver geprobt und aufgeführt, um das kulturelle Leben in Großfahner zu bereichern. Der Sänger-Chor war zu jeder erdenklichen Feier dabei, bei der Einweihung des Denkmals für die Gefallenen des 1. Weltkrieges im Jahr 1922, bei der Glockenweihe 1925 und bei vielen Fahnenweihen in den Nachbardörfern, der Liedertafel Döllstädt, der Gemeinde Dachwig, vom Gesangsverein Concordia Herbs­leben und dem Gesangsverein Gierstädt. Doch die beiden Weltkriege brachten auch das Vereinsleben zum Erliegen und eine zusammenhängende Geschichte des Sänger-Chores zu Großfahner 1865 gibt es eigentlich nicht, was an der jüngeren Geschichte des ehemaligen Volkschores Großfahner sehr deutlich wird. Aber das spielt nicht die entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass in Großfahner heute wieder gesungen wird im Fahner Singkreis, eine Tradition, die sehr weit in der Zeit zurückreicht, uns mit Freude erfüllt und an der wir festhalten sollten.

Die Jubiläumsfeier am 1. November 2015 in der Kirche „Sankt Peter & Paul“ traf auf großes Interesse der Einwohner Großfahners an der Geschichte. Die Feierstunde an diesem, mit schönstem Herbstwetter gesegneten Sonntag wurde von Pfarrer Zweynert, dem Gemeindekirchenrat, dem Ballstädter Männerchor, dem Fahner Sing­kreis und dem Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V. würdevoll ausgestaltet. Vor allem die Chöre boten, allein oder vereint, mit ihrem Gesang ein unver­gleich­liches Erlebnis, das wohl bei so manchem Besucher eine kleine Gänsehaut her­vorrief, reiht sich doch die Jubiläumsfeier nun in die lange Geschichte unseres Dorfes und unserer Kirche ein.

Nach der Feierstunde konnten die Besucher noch bei hausgebackenem Kuchen und Kaffee in der Kirche verweilen und, was nicht so oft vorkommt, an Führungen auf den Kirchturm teilnehmen, bei denen viele Informationen, Geschichten und Anekdoten über die Turmuhr, den Kirchturm und die Glocken vermittelt wurden. Die Geschichte der Glocken und des Sänger-Chores kann noch bis einschließlich Ostern in einer kleinen Ausstellung im Seitenschiff der Kirche nach den Gottesdiensten angeschaut und erforscht werden.

Wir möchten an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank aussprechen: unseren vielen interessierten Gästen, dem Männergesangsverein 1990 Ballstädt e.V., der am 17. November 2015 sein 25. Gründungsjubiläum feierte, dem Fahner Singkreis mit Kantorin Uta Peuckert, Frau Amalia Flack für die Informationen zum Volkschor Großfahner, Familie Monika Schulz für die Schenkung der Bücher und der Fahne, Herrn Heinrich Paetow (Eisenach) für die Fotos der Glockenweihe 1925 und allen, die hier nicht namentlich erwähnt sind, an der Feier aber einen großen Anteil hatten.

Pfarrer Sebastian Zweynert, der Gemeindekirchenrat und der Verein für Heimat­ge­schich­te Großfahner e.V.

Kreativ-Markt mit historischer Modenschau – ein Rückblick

Was war es für ein Glück, dass am vergangenen Sonnabend das Wetter so gut mitspielte und uns Temperaturen über 20 Grad bescherte. Genau richtig möchte man sagen, denn die Sonne sorgte für ausgelassene Stimmung zu unserem Kreativ-Markt mit historischer Modenschau, der am 12. September in der Pension „Zum alten Hauptmann“ stattfand. Ein wenig kleiner als unsere bisherigen Handwerkerfeste 2007 und 2009 war er schon, doch sorgte ein buntes, abwechslungsreiches Programm dafür, dass keine Langeweile aufkam und die Besucher eine modische Zeitreise durch das 20. Jahrhundert erleben konnten.

Lange vorher schon haben wir hierfür das Programm und die historischen Kleidungsstücke zusammengestellt, geprobt und immer wieder verändert bis es passte. Was dabei heraus kam, war ein fröhlich bunter Mix aus schrillen Auftritten, etwa der Mode der 80 Jahre, der Flower-Power- oder auch der Charleston-Zeit und klassischen Kostümen wie der Ausgehmode der 20er und Alltagskleidung der 30er Jahre. Natürlich durften auch die Pioniere der DDR, die klassische Feuerwehruniform, die Haushaltsmode mit Kittelschürze und Blaumann und die alte deutsche Nachtmode nicht fehlen. Den ansehnlichsten Höhepunkt aber bot das aus der historischen Führung 2013 bekannte Ehepaar von Seebach, welches von Kathleen und Arndt Schmidt dargestellt wurde. Zum Abschluss der historischen Schau tanzte dann die Trachtengruppe des Dachwiger Heimat- und Museumsvereins und lud auch die Gäste zum Mittanzen ein. Musikalisch wurden die Besucher des Festes auf’s Beste von „Erfurter Stubenfolk“ und dem Berliner Duo „Stetldik“ unterhalten.

100 Jahre Mode in ca. 40 Minuten zu verpacken, war indes nicht leicht und so fielen zum Beispiel die vielfältigen, der Zeit entsprechenden Uniformen des 20. Jahrhunderts dem Rotstift zum Opfer. Sei es drum, es sollte ja vor allem Spaß machen und das hat es wohl! Der Kreativ-Markt bot vielfältige Möglichkeiten, sich über verschiedene Handarbeitstechniken zu informieren, selbst einmal Hand anzulegen und zum Beispiel das Annähen von Knöpfen zu erlernen. Kartoffeldruck für die kleinen Besucher und anspruchsvolle Handarbeiten für die größeren Gäste rundeten das Angebot ab. Dazu gab es Selbstgebasteltes, -genähtes, -gesticktes und -gestricktes, Anleitungen und viele Bücher. Die Frauen der Spinnstube Kleinfahner sponnen fleißig mit ihren Rädern und der Bodelschwingh-Hof Mechterstedt verkaufte selbstgenähte Kindersachen für einen guten Zweck. Unser Verein informierte über seine zurückliegenden Aktivitäten und es entspannen sich viele gute Gespräche rund um die Geschichte des Dorfes.

Doch halt, ein Ehrengast war auch eigens für diesen Tag angereist. Inspiriert durch unseren Artikel über den Campingwohnwagen „Friedel“, kam Rüdiger Lehmann mit seiner Familie aus Mühlhausen, um seinen „FRIEDEL 1″ Baujahr 1967 zusammen mit einem Wartburg 353S vorzustellen. Der „FRIEDEL“ lockte dann auch viele ehemalige Betriebsangehörige des VEB an und bot Gelegenheit für eine Besichtigung und so manche Fachsimpelei. Eberhard Büchner nutzte die Gelegenheit, dem jungen FRIEDEL-Fan das ehemalige Betriebsgelände zu zeigen und erzählte Anekdoten aus seinem reichen Erfahrungsschatz.

Alles in allem war dieser kreative Tag sehr gelungen und wir freuen uns, unseren Besuchern wieder ein schönes Erlebnis bereitet zu haben. Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen, die bei der Vorbereitung und Durchführung mitwirkten und diesen Tag erst ermöglichten. Vielen herzlichen Dank sagen wir unseren zahlreichen Besuchern, die auch weite Wege in Kauf nahmen um dabei zu sein! Wir freuen uns schon auf die nächste Veranstaltung wenn es wieder heißt: „Herzlich willkommen in Großfahner!“

Ihr Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

Einen Artikel aus der Thüringer Allgemeinen Zeitung Ausgabe Erfurt Land vom Mittwoch, 16. September 2015 gibt es hier.

 

 

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Der FRIEDEL kommt!

Zu unserem Kreativ-Markt am 12. September 2015 ab 14 Uhr hat sich ein besonderer Ehrengast angekündigt – der FRIEDEL. Ein Camping-Enthusiast aus Mühlhausen i. Thr. wird seinen frisch restaurierten Campingwohnwagen „FRIEDEL“ aus der PGH Campinganhänger Großfahner Baujahr 1967 zusammen mit einem Wartburg 353 zur Besichtigung bereitstellen.

Wir laden Sie gemeinsam herzlich dazu ein, ein Fahnersches Original in Augenschein zu nehmen und damit auch ein wenig in die Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner einzutauchen.

Der Besitzer und der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

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Parzival: „Bin ich dumm?“

Am 29. Juli 2015 war es wieder soweit! Die Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt e.V. gastierte mit dem Stück „Parzival“ von Lukas Bärfuß nach Wolfram von Eschenbach im Pfarrgarten Großfahner. Viele Besucher aus Großfahner und den umliegenden Orten fanden sich ein, um ein Stück zu sehen, dass auf unnachahmlich heitere und sehr kreative Art dargeboten wurde. Dabei ist das Stück teilweise sehr ernst, wenn man bedenkt, dass der Titelheld Parzival, ein einfältiger und etwas begriffsstutziger Dummling, der einmal Ritter werden will, gerade durch seine Einfachheit und fehlende Selbstreflexion immer wieder mit Problemen konfrontiert wird, die aus seinem wenig empathischen und unerfahrenen Verhalten entstehen. Doch was sind Probleme wert, wenn man daran nicht auch wachsen kann? Genau das tut er nämlich. Indem er immer wieder mit den Folgen seiner Taten konfrontiert wird, entwickelt er langsam aber sicher ein eigenes, vom Herzen geleitetes Gespür für Richtig und Falsch. So kann er seine Fehler und schlechten Taten Schritt für Schritt tilgen und wird schließlich mit der Erlösung Anfortas‘ – „Oheim, was fehlt Dir? – zum neuen Hüter des Grals. Nun kann sich jeder fragen: Was ist der Heilige Gral?

Das Ensemble hat wieder einmal bewiesen, wie wenig es braucht, um wirklich schönes Theater zu machen und die darstellerische Kunst, allen voran doch nicht ausschließlich die Parzivals (Ulrike Simm) und Orilus‘ / Anfortas‘ (Tino Sradnick), hat beim Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Durch die abstrakte Verwendung der wenigen Requisiten wurde die Phantasie der Zuschauer auf’s Äußerste angeregt und manch eine Szene sorgte so für große Erheiterung beim Publikum. Kurz: Ihr wart alle richtig gut!

Leider waren die Temperaturen an diesem Abend doch recht frisch und viele Besucher nach dem Stück etwas durchgefroren, sodass wenige anschließend noch verweilten und den Abend ausklingen ließen. So sei dem Ensemble der Spiel- und Theraterwerkstatt Erfurt e.V. an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich für das schöne Theaterstück gedankt. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Jahr und wünschen Euch bis dahin alles Gute!

Zum Weiterlesen: http://parzival2015.blogspot.de/