Kategorie-Archiv: Dinge

Großformat-Scanner gesponsert

Wer sich mit Geschichte beschäftigt, kommt nicht umhin, alte, zum Teil einmalige Dokumente zu sammeln und diese für die Text- und Bildbearbeitung aufzubereiten, sprich zu digitalisieren. Die Digitalisierung erleichtert die Erschließung und Zugäng­lich­ma­chung der Dokumente und schont zusätzlich die Originale, da diese nach dem Scannen nicht mehr so oft beansprucht werden müssen und sicher in einem Archiv verwahrt werden können. Schon lange war es der Wunsch unseres Vereins, einen Scanner zu erwerben, mit dem Großformate wie Zeitungen und Fotoalben zeit­sparend und schonend digitalisiert werden können. Dieser Wunsch ist nun in Er­füllung gegangen. Mit finanzieller Hilfe des Kfz-Meisterbetriebs Bernd Wolfram GmbH konnten wir einen Mustek A3-Scanner F1200N erwerben, der es uns fortan er­möglicht, auch große Formate ohne aufwendige Bastelei zu digitalisieren, zu archivieren und damit zu arbeiten. An dieser Stelle sei dem Sponsor sehr herzlich dafür gedankt!

Der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

Mußloeffel

Brennholz, oder was?

Das könnte man durchaus annehmen beim Anblick dieser ramponierten Holzkonstruktion, die Gunter Weiß unlängst aus dem Dunkel seiner Scheune hervor holte. Doch wie immer ist es nicht einfach nur ein Stück wertloses Holz, sondern ein Stück mit einer Geschichte, die wir heute kurz erzählen wollen.

Vor etwa 80 Jahren noch gehörte eine solche Konstruktion zur Grundausstattung eines jeden Haushaltes auf dem Land. Sie wurde gut gehütet, denn sie war bei der Zubereitung einer ganz bestimmten Speise, die den Vitaminbedarf über die langen Wintermonate decken half und auch noch gut schmeckte, unerlässlich. Dabei war die Arbeit mit diesem Gerät anstrengend und zeitraubend, denn es war gleich über mehrere Stunden im Dauereinsatz. Der Benutzer musste sich hüten, auch nur eine Minute lang zu träumen oder anderen Dingen nachzugehen, sonst konnte es passieren, dass die Speise schnell ungenießbar wurde und die viele Arbeit vorher umsonst. Anstrengend deshalb, weil es ordentlich Muskelkraft bedurfte und die Arbeit an einem kochenden Kessel verrichtet werden musste. Dabei konnte auch schon mal ein Unfall passieren, denn diese Arbeit war auch nicht ganz ungefährlich. Vor allem musste man sich vor kochendheißen Spritzern in Acht nehmen.

Spannender können wir es nun nicht mehr machen. Haben Sie eine Idee, um was es sich hier handelt und welche Speise damit zubereitet wurde? Ja! Nein? Vielleicht? Des Rätsels Lösung: ein Muß-Löffel. Damit wurde im Spätsommer das frische Pflaumenmus beim Kochen im Kessel ständig umgerührt, damit es nicht am Kesselboden anbrannte und den Geschmack verdarb. Da hieß es rühren, rühren, rühren. Und wehe, man hing mal seinen Gedanken nach und vergaß darüber das Arbeiten. Eins, zwei, drei – und die ganze Chose war angebrannt und wurde bitter. Säckeweise Pflaumen pflücken, waschen, lüften, würzen – alles für die Katz. Und selbst die wollte das Angebrannte dann auch nicht fressen.

Der Rührer, hier mit leicht verkürztem Stiel weil schon von gefräßigen, holzbohrenden Insekten verspeist, landet nun im digitalen Archiv, weil das Original nicht mehr zu retten ist. Da hilft nur ein Foto, Maß nehmen und nachbauen. Die Geschichte dazu aber bleibt.

Am Ende also doch: Brennholz.

Unser Dank geht an Gunter Weiß für den Löffel und die Geschichte dazu!

Achtung_Rodelbahn

„Bahn frei!“

„Guck mal, was ich gefunden habe, gerade eben beim Aufräumen drüben!“ Da staunt einer nicht schlecht und fühlt sich beim Anblick des verstaubten, handgemalten Schildes augenblicklich in fröhliche Kinder- und Jugendtage zurückversetzt, wenn es auf dem Höch schallte: „Bahn frei!“ und die Rodelschlitten in Scharen den Berg hinuntersausten. Zweier-, Dreier-, ja sogar 10er-Bobs gab es, die es dann aber doch nicht um die Kurve schafften und meist umkippten. Was für ein Gejohle und ein Spaß. Gickelhahn, Kaperfahrten, Sprungschanze und Bande bauen, Hindernisse umfahren, Bahn ausbessern (manchmal über Nacht auch vereisen) und rodeln, rodeln, rodeln bis spät in die Dunkelheit hinein. Dann saßen die erschöpften Schlittenfahrer nur noch da und erzählten und irgendwann zog auch der letzte seinen Schlitten todmüde aber glücklich nach Hause. Bis zum Morgen…

Die „Achtung Rodelbahn“-Schilder wurden an der Kreuzung Lange Gasse – Freiheitsstraße, für die Eingeweihten bei „Seh’se“, befestigt, um Autofahrer vor den Schlittenfahrern zu warnen, die Geschwindigkeit anpassen zu lassen und bei der Fahrt auf den Höch laut und lange zu hupen. Dann sprangen alle auf und machten ihrerseits die Bahn frei. Blieb das Auto auf den letzten Metern stecken, was oft vorkam, schoben die Rodler kräftig an, um ja schnell wieder selbst fahren zu können – bei guten Bedingungen und ausreichend Schwung manchmal bis zum Feuerwehr-Gerätehaus.

Leider – alles – Geschichte, denn die globale Erwärmung ist auch in unseren Breiten immer deutlicher zu spüren. Die Schneetage wurden und werden von Jahr zu Jahr weniger und wenn mal welcher gefallen ist, liegt er meist nur für wenige Tage. Zu wenig und zu kurz für eine fröhliche Schlittenpartie auf dem Höch. Doch nicht nur der Klimawandel bedeutet, neben dem Split, das Aus für die Rodelbahn. Auch die Moderne leistet ihren Beitrag dazu und die vielfältigen Zerstreuungsmöglichkeiten, man denke da nur an Fernsehen, Handy und Internet, lassen die Menschen dem realen Leben 1.0 zunehmend fernbleiben. Schade eigentlich, denn ein ‚echtes‘ Erlebnis ist mit nichts zu ersetzen. Aber vielleicht liegt ja dieses Jahr doch ein bisschen Schnee zum Après-Ski (das gibt es noch nicht so lange) auf dem Höch!

Das im Schutt wiedergefundene Schild erinnert an manche Geschichte und fand jüngst den Weg in unsere Sammlung. Die schönen Archivfotos in Schwarz-Weiß, die bei den Schlittenpartien und Schneeballschlachten entstanden sind, wollen wir Ihnen natürlich auch nicht vorenthalten. Viel Spaß beim Betrachten und Erinnern wünscht

Ihr Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

Fotos: Angelika Gänßler und Isolde Münzel.

Karte_Sanitätskolonne

Zeitsplitter: 16. Juni 1928

Umscheinbare Dokumente, auf dem Dachboden, in der Kommode oder, wie in diesem Fall, in der eBucht gefunden, erhellen manchmal kleine Episoden in der Geschichte des Ortes –  Zeitsplitter. Hier fragt der Stellvertretende Vorsitzende der Freiwilligen Sanitästkolonne vom Roten Kreuz Großfahner, Otto Fleischmann, beim Sanitätsrat Dr. Keßler in Gotha an, ob nach dem Ableben des Vereinsvorstandes ein neuer Kolonnenführer gewählt werden müsse. Sanitätsrat Dr. Keßler antwortete in schönster Arztschrift, dass „selbstverständlich ein neuer Vorstand gewählt werden müsse, der Stellvertretende Vorstand die Geschäfte aber einstweilen weiterführe“. Das kleine Porträtfoto zeigt den damaligen Vorsitzenden der Kolonne, Richard Fleischmann. Er verstarb am 8. Juni 1928 im Alter von 67 Jahren an einer schweren Krankheit. Die im Jahr 1894 gegründete Sanitätskolonne des Roten Kreuzes gehörte damals zu den Institutionen in Großfahner und hatte viele Mitglieder, die im 1. Weltkrieg dienten. Ihr Werdegang liegt noch im Dunkel der Geschichte, da kaum mehr als Fotos und einige wenige Schriftstücke bekannt sind.

Gruss_aus_Neunzehnhundert

Gruß aus Neunzehnhundert

Dieses Mal war die Heimreise der abgebildeten Ansichtskarte aus Großfahner nicht ganz so weit wie die aus Buenos Aires in Argentinien – sie kam aus Eisenberg. Das Besondere an der Karte ist einerseits die schöne Lithographie und andererseits die Absenderin, die, ganz am linken Rande, als Freifrau Gabriele von Seebach zu erkennen ist. Sie schreibt an die Gräfin Reuttner von Weyl in Achstetten. Gabriele Freifrau von Seebach wurde am 13. Januar 1855 geboren und war mit Friedrich-Tilo von Seebach verheiratet. Sie gehörte der Linie Großfahner Schieferschloss an, welcher kein männlicher Stammhalter beschieden war. So kam das Schieferschloss Großfahner durch die Heirat der einzigen Tochter Brigitte (1889-1947) zunächst an die Familie von Rappardt und später an die Familie von Minigerode. Aus diesem Grund stand das Schieferschloss seit den 20er Jahren des 20. jahrunderts leer oder war vermietet. Die Nachfahren der Linie Großfahner Schieferschloss leben heute unter anderem in der Hansestadt Bremen.

Gabriele von Seebach († 1926) und ihr Mann Friedrich-Tilo, genannt Fritz von Seebach (1852-1934), liegen auf dem Friedhof der Gemeinde in einem Familiengrab an der östlichen Friedhofsmauer begraben. Das eindrucksvolle Grabmal ist im Gegensatz zu den anderen Familiengräbern erhalten geblieben und unten abgebildet. Auch sind hier die Eltern von Friedrich-Tilo, Eduard von Seebach (1806-1869) und Ida von Seebach, geb. Wagner (1818-1889) bestattet. An die Familie von Seebach, die von 1412 bis 1945, also über 500 Jahre in Groß- und Kleinfahner ansässig war, erinnert heute ein Gedenkstein mit einer Bronzetafel auf dem Friedhof von Großfahner.

Das Familiengrab der Linie von Seebach Großfahner Schieferschloss auf dem Friedhof von Großfahner.

Das Familiengrab der Linie von Seebach Großfahner Schieferschloss auf dem Friedhof von Großfahner.

Gedenkstein für die Familie von Seebach auf Groß- und Kleinfahner, 1412-1945, auf dem Friedhof von Großfahner.

Gedenkstein für die Familie von Seebach auf Groß- und Kleinfahner, 1412-1945, auf dem Friedhof von Großfahner.

Karten_Thüringer_Kirschen

Bestellen Sie Thüringer Kirschen!

„So schön wie auf diesem Bilde sind hier die Mädchen und Kirschen. So ist es deshalb kein Wunder, dass es mir so gut gefällt.“ – das sind die ersten Sätze auf der abgebildeten Werbekarte, die um die vorvergangene Jahrhundertwende mit dem schönen Prägemotiv für den Kauf von Thüringer Kirschen warb. Nicht umsonst, denn die Kirschen von den Fahnerschen Höhen genießen noch heute einen ausgezeichneten Ruf und die Plantagen sind zur Blütezeit, heute wie vor hundert Jahren, Anziehungspunkt für viele tausend Besucher aus Nah und Fern.

Für uns ist diese Karte doppelt wertvoll, nicht nur weil sie so schön und selten ist. Sie stellt auch ein einmaliges Zeitzeugnis dar, denn die auf der Lithografie abgebildeten Frauen tragen die „Fahnersche Tracht“, an die sich heute fast niemand mehr erinnern kann. Tracht zu tragen muss also schon damals, um 1909, vom Aussterben bedroht gewesen sein, denn uns ist bisher kein weiteres Foto mit Trachten tragenden Personen aus Großfahner oder der näheren Umgebung bekannt. Wir nehmen dieses Motiv als Ausgangspunkt für unsere Forschungen zur „Fahnerschen Tracht“ und hoffen, dass wir mit etwas Glück mehr finden als nur diese eine Karte, damit wir unserer neuen Mitgliedschaft im Thüringer Landestrachtenverband e.V. auch gerecht werden und unser Projekt mit Leben erfüllen können.

Genießen Sie nun das schöne Motiv! Und wenn Sie unserem Verein helfen möchten, unser diesjähriges Forschungsziel zu verfolgen, schreiben Sie uns einfach eine Email an heimat-grossfahner@web.de. Wir freuen uns über jeden noch so kleinen Hinweis!

Ihr Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

PK_Kirche_2015

Neue Ansichtskarte erschienen

Schreib mal wieder! – Aber keine SMS oder Nachrichten im WhatsApp sondern eine richtige Postkarte! Gemeinsam mit dem Kirchengemeindeverband „Fahner Land“ haben wir eine nagelneue  Ansicht der Kirche „Sankt Peter & Paul“ in Großfahner aufgelegt und hoffen, dass die Karte viele Interessenten findet. Sie ist für 50 c beim Gemeindekirchenrat, in der Pension „Zum alten Hauptmann“ und beim Verein (bitte Anfrage per Mail an heimat-grossfahner@web.de) erhältlich.

Wer weiß etwas?

Werbemarke der Christbaumschmuckfabrik W. Hopf aus Großfahner in Thüringen. Foto: M. Hendrickx.

Werbemarke der Christbaumschmuckfabrik W. Hopf aus Großfahner in Thüringen. Foto: M. Hendrickx.

Der Verein für Heimatgeschichte bittet heute um Ihre Mithilfe. Die abgebildete Werbemarke der Christbaumschmuckfabrik W. Hopf aus Großfahner in Th. stellt uns vor ein Rätsel, denn bevor sie über ebay in unseren Sammlungsbestand gelangte, war über diese Firma im Ort rein garnichts bekannt. Nachfragen bei älteren Bürgerinnen und Bürgern brachten keinen Erfolg, sodass wir diese nun hier veröffentlichen möchten. Wenn Sie uns Auskünfte über die Firma und ihren Werdegang geben können, schreiben Sie bitte eine Email an heimat-grossfahner@web.de. Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Seebach_Jahrhundert

Mit dem Jahrhundert leben

„Mit dem Jahrundert leben – Eine Familie im sozialen Wandel“ ist der Titel des Buches, in welchem der letzte Besitzer der Seebach’schen Güter auf Großfahner, Alexander Freiherr von Seebach, seine bewegte Lebensgeschichte erzählt. Erschienen 1978 im Heinz Holzberg Verlag Oldenburg, schildert es den Weg und Werdegang des Diplom-Landwirtes von Dresden über Großfahner bis in den Norden des damals gerade geteilten Deutschlands. Es berichtet unter anderem über die glücklichen Jahre seiner Familie in Großfahner, über das Dorf und seine Bewohner, die Enteignung und Ausweisung aus der Heimat nach dem Krieg und über den schwierigen Neuanfang in Norddeutschland.

Es ist ein bewegendes Buch, das über eine Zeit berichtet, in der es ein anderes Großfahner gab und das aus einer Perspektive erzählt, die meist ungehört blieb. Vor allem aber ist es ein Buch das nachdenklich macht ob des Ges(ch)ichts- und Identitätsverlustes, der neben Groß- und Kleinfahner viele Orte in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone durch den Abriss der historischen Schlösser und Herrenhäuser ereilte.

Kurz und gut: Lesen!

Das Buch gibt es antiquarisch unter www.zvab.com oder www.booklooker.de.

Zerbrechliche Erinnerung

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Zu den Aufgaben unseres Vereins gehört neben der Erfassung und Fortführung schriftlicher und bildlicher Quellen zur Ortsgeschichte auch die Bewahrung von materiellem Kulturgut, das in direktem Bezug zu Großfahner steht. Ein solches Kulturgut stellt das abgebildete Trinkglas dar, welches im Jahr 1974 anlässlich der 1100 Jahrfeier als Jubiläumsglas aufgelegt wurde. Manches dürfte die letzten 41 Jahre nicht so unbeschadet überstanden haben wie dieses. Deshalb sind wir auch sehr erfreut, diese zerbrechliche Erinnerung in unserer Sammlung zu bewahren.

Das Jahr 874 ist inzwischen auch nicht mehr ganz aktuell, denn Großfahner ist laut dem ‚Brevarium sancti Lulli‘ aus dem Jahr 786 noch etwas älter als damals bekannt war, zumindest was die aufgeschriebene Geschichte angeht. Dass der klimatisch günstig gelegene Ort auch schon in frühgeschichtlicher Zeit besiedelt wurde, belegen zahlreiche Funde jungsteinzeitlicher Gegenstände. Was aber dazwischen war, das ist lückenhaft und verliert sich im Dunkel der Geschichte.