Kategorie-Archiv: Veranstaltungen

Kreativ-Markt mit historischer Modenschau – ein Rückblick

Was war es für ein Glück, dass am vergangenen Sonnabend das Wetter so gut mitspielte und uns Temperaturen über 20 Grad bescherte. Genau richtig möchte man sagen, denn die Sonne sorgte für ausgelassene Stimmung zu unserem Kreativ-Markt mit historischer Modenschau, der am 12. September in der Pension „Zum alten Hauptmann“ stattfand. Ein wenig kleiner als unsere bisherigen Handwerkerfeste 2007 und 2009 war er schon, doch sorgte ein buntes, abwechslungsreiches Programm dafür, dass keine Langeweile aufkam und die Besucher eine modische Zeitreise durch das 20. Jahrhundert erleben konnten.

Lange vorher schon haben wir hierfür das Programm und die historischen Kleidungsstücke zusammengestellt, geprobt und immer wieder verändert bis es passte. Was dabei heraus kam, war ein fröhlich bunter Mix aus schrillen Auftritten, etwa der Mode der 80 Jahre, der Flower-Power- oder auch der Charleston-Zeit und klassischen Kostümen wie der Ausgehmode der 20er und Alltagskleidung der 30er Jahre. Natürlich durften auch die Pioniere der DDR, die klassische Feuerwehruniform, die Haushaltsmode mit Kittelschürze und Blaumann und die alte deutsche Nachtmode nicht fehlen. Den ansehnlichsten Höhepunkt aber bot das aus der historischen Führung 2013 bekannte Ehepaar von Seebach, welches von Kathleen und Arndt Schmidt dargestellt wurde. Zum Abschluss der historischen Schau tanzte dann die Trachtengruppe des Dachwiger Heimat- und Museumsvereins und lud auch die Gäste zum Mittanzen ein. Musikalisch wurden die Besucher des Festes auf’s Beste von „Erfurter Stubenfolk“ und dem Berliner Duo „Stetldik“ unterhalten.

100 Jahre Mode in ca. 40 Minuten zu verpacken, war indes nicht leicht und so fielen zum Beispiel die vielfältigen, der Zeit entsprechenden Uniformen des 20. Jahrhunderts dem Rotstift zum Opfer. Sei es drum, es sollte ja vor allem Spaß machen und das hat es wohl! Der Kreativ-Markt bot vielfältige Möglichkeiten, sich über verschiedene Handarbeitstechniken zu informieren, selbst einmal Hand anzulegen und zum Beispiel das Annähen von Knöpfen zu erlernen. Kartoffeldruck für die kleinen Besucher und anspruchsvolle Handarbeiten für die größeren Gäste rundeten das Angebot ab. Dazu gab es Selbstgebasteltes, -genähtes, -gesticktes und -gestricktes, Anleitungen und viele Bücher. Die Frauen der Spinnstube Kleinfahner sponnen fleißig mit ihren Rädern und der Bodelschwingh-Hof Mechterstedt verkaufte selbstgenähte Kindersachen für einen guten Zweck. Unser Verein informierte über seine zurückliegenden Aktivitäten und es entspannen sich viele gute Gespräche rund um die Geschichte des Dorfes.

Doch halt, ein Ehrengast war auch eigens für diesen Tag angereist. Inspiriert durch unseren Artikel über den Campingwohnwagen „Friedel“, kam Rüdiger Lehmann mit seiner Familie aus Mühlhausen, um seinen „FRIEDEL 1″ Baujahr 1967 zusammen mit einem Wartburg 353S vorzustellen. Der „FRIEDEL“ lockte dann auch viele ehemalige Betriebsangehörige des VEB an und bot Gelegenheit für eine Besichtigung und so manche Fachsimpelei. Eberhard Büchner nutzte die Gelegenheit, dem jungen FRIEDEL-Fan das ehemalige Betriebsgelände zu zeigen und erzählte Anekdoten aus seinem reichen Erfahrungsschatz.

Alles in allem war dieser kreative Tag sehr gelungen und wir freuen uns, unseren Besuchern wieder ein schönes Erlebnis bereitet zu haben. Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen, die bei der Vorbereitung und Durchführung mitwirkten und diesen Tag erst ermöglichten. Vielen herzlichen Dank sagen wir unseren zahlreichen Besuchern, die auch weite Wege in Kauf nahmen um dabei zu sein! Wir freuen uns schon auf die nächste Veranstaltung wenn es wieder heißt: „Herzlich willkommen in Großfahner!“

Ihr Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

Einen Artikel aus der Thüringer Allgemeinen Zeitung Ausgabe Erfurt Land vom Mittwoch, 16. September 2015 gibt es hier.

 

 

Werbefoto_Friedel_006

Der FRIEDEL kommt!

Zu unserem Kreativ-Markt am 12. September 2015 ab 14 Uhr hat sich ein besonderer Ehrengast angekündigt – der FRIEDEL. Ein Camping-Enthusiast aus Mühlhausen i. Thr. wird seinen frisch restaurierten Campingwohnwagen „FRIEDEL“ aus der PGH Campinganhänger Großfahner Baujahr 1967 zusammen mit einem Wartburg 353 zur Besichtigung bereitstellen.

Wir laden Sie gemeinsam herzlich dazu ein, ein Fahnersches Original in Augenschein zu nehmen und damit auch ein wenig in die Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner einzutauchen.

Der Besitzer und der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

Parzival_2015

Parzival: „Bin ich dumm?“

Am 29. Juli 2015 war es wieder soweit! Die Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt e.V. gastierte mit dem Stück „Parzival“ von Lukas Bärfuß nach Wolfram von Eschenbach im Pfarrgarten Großfahner. Viele Besucher aus Großfahner und den umliegenden Orten fanden sich ein, um ein Stück zu sehen, dass auf unnachahmlich heitere und sehr kreative Art dargeboten wurde. Dabei ist das Stück teilweise sehr ernst, wenn man bedenkt, dass der Titelheld Parzival, ein einfältiger und etwas begriffsstutziger Dummling, der einmal Ritter werden will, gerade durch seine Einfachheit und fehlende Selbstreflexion immer wieder mit Problemen konfrontiert wird, die aus seinem wenig empathischen und unerfahrenen Verhalten entstehen. Doch was sind Probleme wert, wenn man daran nicht auch wachsen kann? Genau das tut er nämlich. Indem er immer wieder mit den Folgen seiner Taten konfrontiert wird, entwickelt er langsam aber sicher ein eigenes, vom Herzen geleitetes Gespür für Richtig und Falsch. So kann er seine Fehler und schlechten Taten Schritt für Schritt tilgen und wird schließlich mit der Erlösung Anfortas‘ – „Oheim, was fehlt Dir? – zum neuen Hüter des Grals. Nun kann sich jeder fragen: Was ist der Heilige Gral?

Das Ensemble hat wieder einmal bewiesen, wie wenig es braucht, um wirklich schönes Theater zu machen und die darstellerische Kunst, allen voran doch nicht ausschließlich die Parzivals (Ulrike Simm) und Orilus‘ / Anfortas‘ (Tino Sradnick), hat beim Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Durch die abstrakte Verwendung der wenigen Requisiten wurde die Phantasie der Zuschauer auf’s Äußerste angeregt und manch eine Szene sorgte so für große Erheiterung beim Publikum. Kurz: Ihr wart alle richtig gut!

Leider waren die Temperaturen an diesem Abend doch recht frisch und viele Besucher nach dem Stück etwas durchgefroren, sodass wenige anschließend noch verweilten und den Abend ausklingen ließen. So sei dem Ensemble der Spiel- und Theraterwerkstatt Erfurt e.V. an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich für das schöne Theaterstück gedankt. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Jahr und wünschen Euch bis dahin alles Gute!

Zum Weiterlesen: http://parzival2015.blogspot.de/

Jubiläum_2015_VÖ

Wo gesungen wird, da lass dich nieder!

Gesungen wird in Großfahner schon sehr lange und die überlieferten, einmaligen Notenwerke aus der Zeit der Adjuvantenchöre sind ein leuchtendes Beispiel für die Tradition des Singens im Thüringer Raum. Neben den kirchlichen Chören gründeten sich verstärkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr viele Gesangsvereine, welche das Singen auch weltlicher Lieder ausübten und sogar zu Wettbewerben antraten.

150 Jahre ist es nun her, dass sich in Großfahner ein Sänger-Chor zusammenfand, der das Brauchtum des Singens als eingetragener Verein pflegte. Dabei war der Sänger-Chor zur Großfahner, wie dieser sich einst nannte, ein zunächst reiner Männerchor. Das ist den wenigen noch erhaltenen Protokollbüchern zu entnehmen, die, feinsäuberlich geschrieben, uns heute über das Leben des Sänger-Chores berichten: über Proben, manche Sängerfeste und Jubiläen und auch feucht-fröhliche Gelage. Schließlich mussten die strapazierten Stimmen nach einem Gesang auch wieder geölt werden. Die Geschichte des Sänger-Chores, aus dem später der Volkschor Großfahner wurde, verliert sich jedoch mit dem Ende der Bücher auch im Dunkel der Geschichte, sodass außer dem schriftlich Festgehaltenen und einer originalen Vereinsfahne aus dem Jahr 1865 heute nicht mehr viel über den Chor bekannt ist. Weil aber heute noch in Großfahner im Fahner Singkreis gesungen wird und der damalige Chor in diesem Jahr sein 150jähriges Bestehen feiern würde, möchten wir, die Kirchgemeinde Großfahner, der Fahner Singkreis und der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V., einmal Licht ins Dunkel der Geschichte bringen. Aus diesem Grund richten wir mit diesem Beitrag eine herzliche Bitte an Sie, liebe Leserinnen und Leser. Wenn Sie etwas über den Sänger-Chor oder den späteren Volkschor wissen und uns berichten möchten, freuen wir uns über Ihre Mitteilung. Fotos, Urkunden und andere Gegenstände, die an den Chor erinnern, sind ebenfalls von großem Interesse und werden gern als kurze Leihgabe entgegen genommen. Wofür das, fragen Sie? Für eine kleine Ausstellung, die am 1. November 2015 in der Kirche Sankt Peter und Paul in Großfahner zu sehen sein wird. Sie soll über die Geschichte des Sänger-Chores berichten. Dieser Tag, ein Sonntag, ist genau genommen ein historisches Datum für Großfahner und seine Kirche, denn vor genau 90 Jahren, am 1. November 1925 wurden die nach dem 1. Weltkrieg neu aufgezogenen Kirchenglocken mit einem feierlichen Gottes­dienst geweiht. „Kopf an Kopf stand die Gemeinde“ bei diesem denkwürdigen Ereignis, wie der damalige Pfarrer Meng zu berichten wusste. Die 90. Wiederkehr der Glockenweihe von 1925 wollen wir, zusammen mit dem 150. Gründungsjubiläum des Sänger-Chores, an diesem Tag mit einem Festgottesdienst, Führungen durch die Kirche und die Ausstellung sowie Kaffee und Kuchen gebührend feiern! Lassen Sie sich überraschen, was wir Ihnen aus der Geschichte Großfahners und seiner Kirche zeigen werden.

Ihr Pfarrer Zweynert, der Gemeindekirchenrat und der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

Kreativ-Werkstatt – Was ist das?

Im April diesen Jahres startete unsere Kreativ-Werkstatt, um Handarbeitsprojekte für unseren Markttag am 12. September vorzubereiten. Doch bald war klar, dass das keine „Eintagsfliege“ ist, denn die Ideen und Projekte sprudelten nur so hervor. Die Werkstatt soll nun auch über unseren Markttag hinaus bestehen bleiben, denn nichts ist schöner, als in guter Gesellschaft zu arbeiten und neue Fertigkeiten, sei es Stricken, Häkeln oder eine andere Handarbeitstechnik, zu erlernen und zu pflegen. Uns geht es in der Kreativ-Werkstatt vor allem um das Ausprobieren, Lernen und Weitergeben von Handarbeitstechniken und nicht um Perfektion. Als Geschichtsverein stellen wir jedoch auch das Bewahren und Vermitteln von historischen Techniken, die heute nur noch von  wenigen, meist älteren Menschen beherrscht werden und damit vom Verlorengehen bedroht sind, in den Mittelpunkt. Denn zeigen und lernen wie’s gemacht wird, ist tausendmal einfacher als sich eine Arbeitstechnik mühsam anzulesen. Von den dabei vermittelten Kniffen, Tricks und Anekdoten garnicht zu reden. Wenn Sie also Lust bekommen haben, einmal reinzuschauen und mitzumachen, sind Sie herzlich willkommen. Es kostet nichts und der Spaß ist garantiert! Die Termine für die Kreativ-Werkstatt finden Sie in der Terminübersicht. Wir freuen uns auf Sie!

Ausstellung zum 1. Weltkrieg endet

WK1_100_1Viele interessierte Einwohner und Gäste besuchten in den vergangenen drei Monaten die Ausstellung „1914-2014 – 100 Jahre 1. Weltkrieg“ in der Pension „Zum alten Hauptmann“ in Großfahner und verschafften sich so einen Eindruck, wie der 1. Weltkrieg in das Leben der Menschen im Ort eingriff, wie sie mit den Anforderungen der Zeit umgingen und welche politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen der Krieg mit sich brachte.

Die Ausstellung, die dem Gedenken an die Gefallenen aus Großfahner gewidmet ist, geht nun zu Ende und wir möchten Sie hiermit sehr herzlich zu einem abschließenden Vortrag mit dem Thema „Der 1. Weltkrieg und seine Auswirkungen auf unsere Zeit“ einladen. Dieser findet am Sonntag, den 9. November um 16 Uhr in der Pension „Zum alten Hauptmann“ in Großfahner statt. Die Veranstaltung ist mit musikalischen Beiträgen von Sibyll Plappert umrahmt und Sie haben die Möglichkeit, die Ausstellung noch einmal mit Erläuterungen und zahlreichen Hintergrund­informationen zu erleben. Für das leibliche Wohl ist mit Kaffee und Kuchen gesorgt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Die Ausstellung kann bis einschließlich Montag, den 10. November, ab 16 Uhr kostenlos besichtigt werden. Schulklassen und Gruppen werden um Voranmeldung gebeten unter 036206 2380. Sonderführungen sind auch vor 16 Uhr möglich.

„SCHATTEN & LICHT“ – Eine Zuschauerstimme

„Schatten & Licht“

Als die Stimmen im Publikum verebben und das Licht im Saal erlischt, leuchtet auf der Bühne hinter einem weißen Vorhang eine Lampe auf. Ich sehe die Umrisse von Stühlen, einem Schreibtisch und drei Menschen, die einander gegenüber sitzen. Zwei von Ihnen sind die Eltern von Oswin Schuchardt, einem jungen Mann aus Großfahner. Er steht im Mittelpunkt dieser Geschichte, die sich vor fast einhundert Jahren zutrug.

Nur kurze Zeit dauert es und ich bin mittendrin im Geschehen. Ich beobachte, wie Oswin in den ersten Kriegstagen schweren Herzens Heimat und Eltern verlässt, um zuerst zur Grundausbildung und dann an die Front geschickt zu werden. Die Szenen wechseln zwischen dem Geschehen an der Front und dem Kriegsalltag in der Heimat. Hier das Elend in den Schützengräben: Hunger, Krankheit, Angst, Verzweiflung und immer allgegenwartig, der Tod. Dort die schwere Arbeit in der Landwirtschaft, die die Frauen nun ohne ihre Männer bewältigen müssen, das tägliche, bange Warten auf ein Lebenszeichen und die schmerzende Trauer über gefallene Söhne, Ehemänner, Väter und Freunde.

Und dazwischen immer wieder die unausgesprochene Frage: Wofür das alles? Wofür kämpfen wir? Wer sind unsere Gegner? Sind sie nicht Menschen wie Du und ich mit Hoffnungen, Wünschen und Träumen?

Besonders deutlich sind mir zwei Szenen im Gedächtnis geblieben. Eine zeigt den Weihnachtstag 1914, als die Männer an der Front aus ihren Gräben steigen, sich die Hände reichen und miteinander singen. Die andere Szene ist der Tag, an dem Oswin in einem Lazarett fern der Heimat am Fieber stirbt, ohne seine Familie wiedergesehen zu haben, ohne Trost, ohne Beistand.

Als Zuschauer kann ich nur erahnen, wie viel Arbeit, Liebe zum Detail und Engagement in dieser Inszenierung steckt, die ausschließlich mit Laiendarstellern besetzt ist. Das Ensemble des Vereins für Heimatgeschichte Großfahner e.V. hat in bemerkenswerter Weise ein Stück Geschichte auf die Bühne gebracht, das Vergangenheit und Gegenwart, Weltgeschehen und Heimat miteinander verknüpft. Tief bewegt verlasse ich meinen Platz, als der Applaus verklingt und im Saal das Licht angeht. Und wünsche mir, dass die kleine Bühne im Schlossgasthof öfter als Theaterbühne genutzt werden würde. Chapeau, Heimatverein!

„SCHATTEN & LICHT“ – Es war einmal…

Im Gedenken an Oswin Schuchardt (7. Januar 1896-22. Juni 1918) und die Gefallenen des 1. Weltkriegs aus Großfahner.

Im Gedenken an Oswin Schuchardt (7.1.1896-22.6.1918) und die Gefallenen des 1. Weltkriegs aus Großfahner.

Johannes fragt nach dem Besuch der Ausstellung „1914-2014 – 100 Jahre 1. Weltkrieg“ in Großfahner mit kindlicher Handschrift auf einem Zettel: Warum gibt es Krieg?

Auf diese Frage würde die Menschheit sehr facettenreiche Antworten geben, immer in Abhängigkeit von sozialem Status, Bildung, Religion und wirtschaftlichen Interessen – heute genauso wie vor 100 Jahren, als der 1. Weltkrieg als erster ‚Krieg der Moderne‘ millionenfachen Tod, die Verwüstung ganzer Landstriche, massenhaftes Elend und unfassbares Leid über die Völker der Welt brachte. Bis in die kleinste Zelle der Gesellschaft – die Familie – drang dieser Krieg.

Der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V. brachte mit dem Theaterstück „SCHATTEN & LICHT – Die Geschichte von zwei jungen Soldaten aus Großfahner im 1. Weltkrieg“ diesen Teil der Weltgeschichte in Verbindung mit der kleinen Geschichte zweier Familien aus Großfahner auf die Bühne. Das Stück, am 20. September im „Schlossgasthof“ zu Großfahner vor ca. 85 Zuschauern uraufgeführt, zeigte die Jahre des Krieges 1914 bis 1918 aus mehreren Perspektiven – die soldatische von der Einberufung über die Geschehnisse an der Front bis zum Tod des Protagonisten Oswin Schuchardt und die bäuerlich-ländliche, die das immer schwieriger werdende Leben in der Heimat veranschaulichte.

Oswin Schuchardt und Willibald Fleischmann, zwei beste Freunde, zogen einst jung in den Krieg. Allein Willibald war es vergönnt, am Leib unversehrt doch seelisch verwundet in die Heimat zurückzukehren. Sein Freund Oswin starb im Juni 1918 in einem Lazarett in Olley bei Conflans in Frankreich. Sein Schicksal, den Kriegstod, teilten weitere 30 Männer aus Großfahner.

Die Familien erfuhren nicht viel von den schrecklichen Geschehnissen an der Front, dem Leben im Schützengraben, von anhaltendem Hunger, durchdringender Nässe und Kälte, dem ständigen Verwesungsgeruch der unbestattet gebliebenen Gefallenen im Niemandsland, den Gasangriffen und den Schreien der unzähligen Verwundeten. Die Menschen in der Heimat waren auf die spärlichen und oft zensierten Informationen aus Feldpostbriefen beschränkt, die täglich mit Hoffen und Bangen erwartet wurden. Andererseits kämpften die Familien um das eigene Überleben im zunehmenden Mangel: Pferde, Fahrräder, kurz alles was Räder hatte, wurde requiriert, später auch das Vieh. Nur das Notwendigste blieb. In ihrer großen Not kamen die Menschen aus der Stadt und zerrten die Feldfrüchte noch vor der Ernte aus der Erde um etwas zum Essen zu haben.

Während des Stücks wurden zwei Lieder vorgetragen. Beide handeln vom Sterben, vornehmlich das der Soldaten, doch auch das Sterben der Natur unter den Einwirkungen des Krieges und das Sterben der Liebe durch den Verlust eines geliebten Menschen waren bewegende Themen. Beide Gesangsstücke fassten in lyrischer Version die Geschehnisse hinter dem Vorhang zusammen.

Am Ende des Schattenspiels wurde das Lied „Sunday After The War“ von Daniel Kahn gespielt, dass nun endlich den Frieden versprach. Dass es nicht so war, ist leider nur zu gut bekannt, denn 20 Jahre nach dem 1. Weltkrieg brach ein noch verheerenderer und ideologisch geführter Krieg über Europa herein und stürzte die Welt erneut ins Chaos.

Im Jahr 1922 riefen die Eltern von Oswin Schuchardt im Gedenken an ihren Sohn und ihre bereits im Jahr 1899 verstorbene Tochter Hedwig eine Stiftung ins Leben, die Oswin Schuchardt angesichts der vielen Kriegswaisen als sinnvolle Einrichtung für kommende Generationen in Großfahner erdachte. Dieses Vermächtnis, das Licht, welches nach dem Schatten kommt, wirkt heute zum Wohl der Kinder in der „Oswin-Schuchardt-Kindertagesstätte“ in Großfahner.

Der Verein für Heimatgeschichte Großfahner e.V. gedachte mit diesem Schattenspiel den Gefallenen aus Großfahner, den Menschen aller Nationen, die durch Krieg und Gewalt ums Leben kamen und derer, die durch Verfolgung, Misshandlung und Folter litten und leiden. Angesichts der vielen besorgniserregenden Konflikte auf der Welt, sei es in der Ukraine, in Syrien oder anderswo, ist die Botschaft der Gefallenen heute so aktuell wie nie: Krieg ist keine Lösung!

Die Erinnerung an die Weltkriege wach und im Gedächtnis der Menschen zu halten, ist unser Anliegen. Wir wünschen uns Frieden unter den Menschen in unserer Heimat, in Europa und in der Welt!

Wir bedanken uns sehr herzlich bei unseren geschichtsinteressierten Zuschauern und allen, die zum Gelingen des Schauspiels und des sich anschließenden Ausklangs im Hof der Pension „Zum alten Hauptmann“ durch kleine und große Hilfe beigetragen haben!

Das Theaterensemble des Vereins für Heimatgeschichte Großfahner e.V.

Arndt Schmidt

Hier geht’s zum Begleitheft.

Fotogalerie:

Alle Fotos von Christine Winter.

Regionalstiftung

Wald-Erlebnisführung

Vor den großen Sommerferien nutzte die 2. Klasse von Frau Hausmann den 17. Juli für eine Wald-Erlebnisführung in den Fahnerschen Höhen, bei der die Zweitklässler Wissenswertes und Spannendes über das Ökosystem Wald erfahren konnten. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Juli-Himmel versprach der schattige Wald außerdem eine kühlende Erfrischung, wenn man schon nicht baden ging.

Der Weg in den Wald war beschwerlich und lang. Sein Blätterdach verschaffte aber angenehme Abkühlung.

Der Weg in den Wald war beschwerlich und lang. Sein Blätterdach verschaffte angenehme Abkühlung.

An der seit einigen Jahren umgestürzten Thing-Buche konnte mit Becherlupen nach kleinsten Tieren im Totholz gesucht und so manches sonst im Verborgenen lebende entdeckt werden. Die Kinder erfuhren, wie ein Baum wieder zu Erde wird und welche Organismen daran beteiligt sind. Natürlich gehörten auch Spiele dazu, das Interesse am Wald zu wecken. Ein Suchspiel, bei dem fünf verschiedene Objekte, die nicht in den Wald gehören, entdeckt werden mussten, war nicht so ganz einfach und erst auf den zweiten Blick konnten die gut getarnten Dinge gefunden werden.

Was gehört hier nicht her? Ist doch klar, oder?

Was gehört hier nicht her? Ist doch klar, oder?

Am „Hirschteich“ bekamen die Schülerinnen und Schüler etwas über die Wichtigkeit eines Biotops vermittelt und konnten Kammmolche und andere Lebewesen hautnah beobachten. Der Schädel eines toten Tieres tat es besonders den „Rabauken“ unter ihnen an. Auf dem Weg tiefer in den Wald hinein konnten die jungen Naturforscher bei dem Spiel „Wer bin ich?“ Tiere erraten, bis sie an einer umgestürzten Buche mit vielen Steinen im Wurzelteller etwas über Ammonshörner und andere Fossilien erfuhren. Dort sorgte auch der gefährliche Fischräuber Nothosaurus mit seinen langen Zähnen für große Kinderaugen.

Weiter ging es mit kleinen Taschenspiegeln vor der Nase, um die Welt mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Der „Spiegelgang“ sorgte für große Erheiterung und vermittelte einen neuen Eindruck von den Baumwipfeln oder dem Waldboden und den eigenen Füßen. Zum Abschluss der Führung konnten die Naturkundler dann mit verbundenen Augen Bäume ertasten. So gelang es den meisten, ihren zuvor ertasteten Baum tatsächlich auch mit den Augen wiederzufinden.

Wie fühlt sich ein Baum an, wenn man ihn nicht sehen kann? Das Ertasten eines Baumes war eine neue Erfahrung für die Kinder.

Wie fühlt sich ein Baum an? Knorrig? Glatt? Runzelig?

Dass drei Stunden sehr schnell um sein können, bewies dieser erlebnisreiche Tag, der den Schülerinnen und Schülern der 2. Klasse hoffentlich viele schöne Eindrücke und neue Ideen für Entdeckungen in der Natur gebracht hat.

Wir machen Theater!

Schatten_Licht_BlogDas Stück erzählt die Geschichte von Oswin Schuchardt und Willibald Fleischmann, zwei jungen Bauernsöhnen und besten Freunden, die vor 100 Jahren in Großfahner lebten. Beide zogen in den Krieg, einer kam nicht zurück. Anhand ihrer Geschichte möchten wir zeigen, wie es damals gewesen sein könnte, draußen auf dem Schlachtfeld und bei den Familien daheim in Großfahner – wie sich die anfängliche Begeisterung in Hoffnungslosigkeit, Resignation und Trauer verwandelte, und wie trotz allem das Leben weiterging. In unserem Stück erfahren Sie auch, warum der Kindergarten in Großfahner nach Oswin Schuchardt benannt ist. Als Darstellungsform haben wir das Schattentheater gewählt.

Im Anschluss an das Theaterstück laden wir herzlich in den Hof der Pension „Zum alten Hauptmann“ zu einem Ausklang des Abends ein. Es besteht die Möglichkeit, die Ausstellung „1914-2014 – 100 Jahre 1. Weltkrieg“ zu besichtigen und mit den Theaterdarstellern ins Gespräch zu kommen. Für das leibliche Wohl ist mit kalten Getränken, Salaten und Gegrilltem bestens gesorgt.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

KARTEN

Bestellungen sind ab 1. September unter heimat-grossfahner@web.de möglich. Vorbestellte Karten müssen bis 20 Minuten vor Beginn der Vorstellung an der Abendkasse abgeholt werden. Ab Samstag, den 13. September können Karten im Vorverkauf in der Pension „Zum alten Hauptmann“ erworben werden. Tel.: 036206/2380.

Regionalstiftung